Kneippen mit Kindern

Kneippen mit Kindern

Kneippen mit Kindern

Kneippen mit Kindern – ein kleiner Exkurs

Immer mehr Kindergärten in Deutschland spezialisieren sich. So gibt es neben den, seit vielen Jahrzehnten bekannten, Waldorff-Kindergärten und Waldkindergärten mittlerweile auch 250 zertifizierte Kneipp-Kindergärten. Dabei geht es in diesen Einrichtungen längst nicht nur um das weitläufig bekannte Wassertreten.

Das Kneipp-Konzept besteht aus viel mehr. Was das ist und wie man auch in einem staatlichen Kindergarten, als Tagesmutti oder zu Hause mit dem Kneipp-Konzept bei den Kindern für Spaß und Gesundheit sorgen kann, das möchte ich Ihnen hier gern kurz einmal vorstellen.

Das Kneipp-Konzept und seine 5 Säulen

Das Kneipp-Konzept geht auf Sebastian Kneipp (1821-1897) zurück. Ihm ging es jedoch um wesentlich mehr, als darum, wie die Störche durch das Wasser zu waten. Sein Ziel war es, den Menschen durch eine gesunde Lebensweise zu einem starken Immunsystem und so zu einem gesunden Körper und Geist zu verhelfen.

So entwickelte er ein Konzept aus 5 Säulen, welches, neben den bekannten Wasseranwendungen, auch eine gesunde Ernährung, die Lebensordnung, die Nutzung von Heilpflanzen und ausreichend Bewegung beinhaltet.

Da wird schnell klar, warum es Sinn macht, gerade Kinder frühzeitig an dieses Konzept heranzuführen und die Kleinen spielerisch mit der Thematik vertraut zu machen – der Grundstein für eine gesunde Lebensführung wird in der Kindheit gelegt.

Doch was beinhalten diese Säulen im Einzelnen und wie kann das in den Kindergartenalltag oder zu Hause integriert werden? Das erfahren Sie jetzt!

  1. Säule: Die Lebensordnung

Unter einer ausgeglichenen Lebensordnung verstand Sebastian Kneipp den Einklang zwischen Körper und Seele. Dieser war für ihn elementar und die Voraussetzung für die Gesundheit jedes Einzelnen.

Dazu gehört aber nicht nur, dass man durch bestimmte Entspannungsübungen zu innerer Ausgeglichenheit gelangt, auch Stresstoleranz und Sozialkompetenz sind Ziele dieses Konzepts. Der Schlüssel ist, dass jeder zu sich selbst findet und mit sich im Reinen ist.

Im Alltag mit Kindern kann man vor dem Schlafengehen kleine Massagespiele integrieren und im Kindergartenablauf immer mal wieder für bewusste Entspannung sorgen, indem die Kleinen ganz still einer Geschichte lauschen, auch gern mit geschlossenen Augen und wenn es nur für eine viertel Stunde ist.

  1. Säule: Die Heilkräuter

Diese Säule lehrt den Kindern schon früh, sich nicht nur mit der Natur und ihren Pflanzen auseinanderzusetzen, sondern auch deren heilende Wirkung nicht nur kennenzulernen, sondern auch zu nutzen.

Dabei geht es jedoch lediglich um milde Kräuter, die keinerlei Nebenwirkungen haben und bei uns in der Natur heimisch sind. Denn auch Sebastian Kneipp überließ die gefährlichen Mixturen lieber den Ärzten und Apothekern.

So stellen die Kinder zu Hause oder in der Einrichtung aus den gesammelten Pflanzen nicht nur Tees und Säfte her, sondern probieren sich auch an Ölen, Badezusätzen oder Salben. Dabei geht es nicht nur darum Krankheiten zu heilen, sondern auch eine vorbeugende Wirkung zu erzielen.

Hier werden die Kinder jedoch keinesfalls von der Schulmedizin weggeführt, diese hat auch Herr Kneipp nicht abgelehnt. Die Heilpflanzen sollen lediglich eine Alternative sein, die kostengünstig und frei von Nebenwirkungen ist.

  1. Säule: Die Bewegung

Kleine Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und auch der erwachsene Mensch strebt von seinem Wesen her nach Vorwärtskommen. Doch leider wird in unserer Gesellschaft dieser natürlichen Anlage oft zu wenig Raum gegeben und so werden durch einen Bewegungsmangel viele Krankheiten begünstigt.

Sebastian Kneipp erkannte schon damals den Zusammenhang zwischen regelmäßiger und gleichmäßiger Bewegung und der Gesunderhaltung des Körpers und nahm deshalb diesen Punkt als elementare Säule in sein Konzept auf.

Die Bewegung mit Kindern im Alltag umzusetzen ist relativ leicht, da ihr Entdecker- und Bewegungsdrang noch sehr groß ist. Besonders Spaziergänge, kleine Wanderungen, Gymnastik aber auch Tanzen lassen sich leicht und spielerisch in den Alltag integrieren.

  1. Säule: Die Ernährung

Bei der Ernährung setzte Kneipp vor allem auf Einfachheit und Natürlichkeit. Ihm ging es darum, dem Körper mit schonender Kost alle über den Tag benötigten Kalorien, Nährstoffe und Vitamine zuzuführen, um den Energiebedarf optimal zu decken und sowohl den Stoffwechsel, das Herz und den Kreislauf, als auch das Immunsystem gesund und stark zu erhalten.

Heute geht es dabei vor allem um eine bewusste Ernährung und das Gefühl für Ausgewogenheit. Kinder lernen das schnell und verinnerlichen dies ganz selbstverständlich. Schön und vor allem förderlich ist natürlich, wenn dieser Gedanke und das Ansinnen nach Kneipp nicht nur im Kindergarten, sondern dann auch zu Hause gelebt und umgesetzt würden.

  1. Säule: Die Wasseranwendungen

Die Wasseranwendungen sind wohl das, was einem bei dem Namen Kneipp auf Anhieb einfällt. Dabei geht es darum, die Blutgefäße zu trainieren und die Durchblutung im Körper anzuregen und zu fördern. Neben dem allseits bekannten Wassertreten wird das vor allem durch Güsse, Bäder, Waschungen und Wickel realisiert. Aber auch Tautreten und Schneegehen sind von ihm empfohlene Anwendungen.

Heute ist tatsächlich wissenschaftlich erwiesen, dass kalte und auch wechselwarme Anwendungen die Blutgefäße weiten und so nicht nur bestimmten Krankheiten vorbeugen helfen, sondern sogar die Stresstoleranz steigern.

Wasseranwendungen bei Kindern – das gilt es zu beachten

Wer als Kindereinrichtung oder auch Tagesmutti die Kneipp’schen Säulen vermitteln und nach den Grundsätzen erziehen möchte, für den gibt es besondere Lehrgänge und Seminare, die speziell dazu pädagogisch befähigen. Denn nicht nur der Umgang mit Kräutern will gelernt sein, gerade die Wasseranwendungen sind bei Kindern mit Bedacht und nicht ohne Vorkenntnisse anzuwenden.

Muttis, die zu Hause diese Lebensart vermitteln möchten, können sich verschiedene Lektüre zu diesem Thema bestellen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der kleine Organismus die Wechselbäder und anderen Anwendungen gut verkraftet und auch das Immunsystem nicht überfordert wird.

  • Tipp 1: Je kleiner die Kinder sind, desto kürzer sollten die Anwendungen sein und desto geringer der Temperaturunterschied zwischen den Bädern und der Körpertemperatur.
  • Tipp 2: Achten Sie immer auf die Reaktionen und Empfindungen der Kinder und reagieren Sie sofort, sollte dem Kind nicht wohl dabei sein.
  • Tipp 3: Bei sehr kleinen Kindern reicht ein Waschlappen völlig aus. Das strapaziert den kleinen Organismus nicht zu sehr und gewöhnt die Kinder langsam an die Anwendungen. Ab 6 Monaten können Sie sehr behutsam auf sehr kleinen Flächen mit Waschungen anfangen, ab ca. 2 Jahren können Sie dann mit Güssen beginnen.
  • Tipp 4: Mit Wassertreten kann man früh und spielerisch beginnen. Im Sommer durch einen kühlen Bach waten, das hält nicht nur fit, sondern ist auch ein Erlebnis für die Kleinen.
  • Tipp 5: Vermeiden Sie es unbedingt, kaltes Wasser auf kalte Körperteile zu geben! Am besten eignen sich die Abwendungen nach einem schönen, warmen Bad.
  • Tipp 6: Kinder, die leicht frieren, sollten keinen Kaltanwendungen ausgesetzt werden. Hier eignen sich eher Wechselanwendungen, die mit einer schönen Erwärmung beginnen.

Ich hoffe, ich konnte Sie mit diesem Ausflug in eine spannende und sehr alte, aber nicht minder gut durchdachte Pädagogik etwas neugierig machen und wer weiß, vielleicht begegnen Sie sich demnächst bei einer entsprechenden Weiterbildung und waten schon bald mit Ihren Kindern durch die Bäche oder das taunasse Gras im Garten.

Eingewöhnung in die Kita

Eingewöhnung in die Kita

Eingewöhnung in die Kita

Die Eingewöhnung in die Kita –
so wird der Start für Eltern und Kind leichter

So sehr man sich als Eltern sicherlich wieder auf den Berufseinstieg freut, so sehr nagt doch auch die Unsicherheit an dem einen oder der anderen, ob denn die Eingewöhnung in die Kita auch problemlos gelingen mag und das Kind sich dort wohlfühlt.

Sicherlich kann Ihnen niemand den vielleicht anfänglichen Abschiedsschmerz als Mutter nehmen, geben Sie doch Ihr Kostbarstes, Ihr eigen Fleisch und Blut in die Obhut fremder Menschen. Allerdings habe ich 10 Tipps für Sie zusammengefasst, um Ihnen den stundenweisen Abschied zu erleichtern und Ihrem Kind eine entspannte und vor allem fröhliche Eingewöhnung in die fremde Umgebung zu gewährleisten.

Tipp 1: Haben Sie kein schlechtes Gewissen!

Als Erstes sollten Sie an sich und Ihrer inneren Einstellung arbeiten. Machen Sie sich kein schlechtes Gewissen und lassen Sie sich nicht einreden, Ihr Kind mit der Betreuung in einer Kita abzuschieben. Sie haben ein Recht auf ein Leben neben Ihrem Kind und vielleicht sogar die finanzielle Notwendigkeit zu einer Berufstätigkeit. Sie haben die richtige Entscheidung für sich getroffen. Finden Sie sich daher nicht nur damit ab, sondern seien Sie stolz darauf. Auch Ihrem Kind wird eine gewisse Eigenständigkeit nicht schaden!

Tipp 2: Suchen Sie eine Einrichtung, mit deren Erziehungsstil Sie konform gehen

Sie leben vegan und möchten, dass auch Ihr Kind so erzogen wird? Sie legen viel Wert auf Waldorff-Pädagogik oder viel Zeit an der frischen Luft? Sie möchten Ihr Kind überdurchschnittlich musikalisch fördern, oder vertreten das Lebenskonzept von Sebastian Kneipp? Dann sollten Sie bei der Wahl der Kindereinrichtung sorgsam sein und frühzeitig mit der Suche nach einer geeigneten Kita beginnen.

Nehmen Sie in einem solchen Fall lieber längere Wege in Kauf, aber seien Sie sicher, dass Ihre pädagogischen Vorstellungen mit denen der Erzieher zusammenpassen. Haben Sie sich entschieden, dann geben Sie die Pädagogik für die Zeit des Aufenthaltes Ihres Kindes aber auch uneingeschränkt in die Hände der Erzieherinnen. Nicht alles, was anders ist als zu Hause, ist schlecht und nicht alles, was Ihnen nicht gefällt schadet Ihrem Kind. Lernen Sie, auch hier ein Stück weit loszulassen und zu vertrauen.

Tipp 3: Machen Sie Ihr Kind neugierig auf den Kindergarten

Erwähnen Sie in den Wochen vor der Eingewöhnung oft, aber beiläufig den Kindergarten und heben Sie die Vorteile hervor. Ihr Kind lernt neue Freunde kennen, kann neue Spielsachen ausprobieren und wird viele aufregende Sachen erleben. Es ist leicht das Kind neugierig auf den Neues zu machen, nutzen Sie das!

Vermeiden Sie jedoch negative Äußerungen oder Bedenken im Beisein Ihres Kindes. Achten Sie in Gesprächen mit Freuden oder dem Partner darauf, dass das Kind nicht anwesend ist, wenn Sie über Bedenken oder Ängste sprechen, ob denn auch alles reibungslos verlaufen wird. Das schürt bei den Kindern eine Unsicherheit, die ihnen erst recht Angst macht.

Tipp 4: Nutzen Sie Schnuppertage in der Einrichtung

Bietet die Kita Schnuppertage vor der Eingewöhnung an, nehmen Sie dieses Angebot an. So kann Ihr Kind bereits die Gruppenräume kennenlernen, erste Kontakte zu Erzieherinnen knüpfen und vielleicht sogar schon auf den einen oder anderen zukünftigen Freund zugehen.

Tipp 5: Beginnen Sie rechtzeitig mit dem Abnabeln

Wenn das Kind gewohnt ist, den einen oder anderen Tag bei Oma und Opa zu verbringen oder bei einem Freund zum Spielen eingeladen zu sein, wird der Abschied viel leichter fallen. Denn Ihr Kind hat bereits gelernt, dass Mama wieder kommt, auch wenn sie die eine oder andere Stunde einmal nicht in direkter Reichweite ist.

Beginnen Sie daher vor der Eingewöhnung damit, Ihr Kind für kurze Zeit in einer vertrauten Umgebung von Menschen, die es kennt und denen es vertraut, fremdbetreuen zu lassen. Das hilft nicht nur Ihrem Kind, sondern vielleicht auch Ihnen, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Tipp 6: Suchen Sie die Utensilien für den Kindergarten gemeinsam aus

Ob Rucksack oder Brotdose – Ihr Kind sollte bei der Auswahl ein gewisses Mitspracherecht haben. Mama sollte darauf achten, dass alle Features vorhanden und alle Kriterien erfüllt sind, in Bezug auf die Farbe oder das eine oder andere Motiv, sollten Sie dem Kind aber durchaus etwas freie Hand geben, auch wenn Ihr Geschmack an der Stelle vielleicht nicht unbedingt getroffen wird.

Tipp 7: Auf Altersunterschied in der Gruppe achten

Während einige Einrichtungen die Gruppen streng nach Alter trennen, setzen andere Kindergärten auf gemischte Gruppen, sodass jüngere Kinder von den Älteren lernen und Älteren beigebracht wird, Verantwortung zu übernehmen.

Welches Konzept für Sie das Richtige scheint, das müssen Sie selbst entscheiden. Wichtig ist jedoch, dass in der Gruppe Ihres Kindes einige Gleichaltrige betreut werden. Ihr Kind braucht das, um Freundschaften zu schließen und sein Sozialverhalten gesund entwickeln zu können.

Tipp 8: Eingewöhnung so lang wie nötig, so kurz wie möglich

Gut wenn Sie Ihr Kind langsam an den Alltag in der Kita gewöhnen wollen und so bieten die meisten Einrichtungen an, die Kinder bis zu zwei Wochen zu begleiten und für immer länger werdende Zeiträume allein in der Einrichtung zu lassen.

Nehmen Sie sich die Zeit, wenn Ihr Kind diese braucht, aber ziehen Sie die Eingewöhnung auch nicht unnötig in die Länge. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind gut klarkommt und Sie nicht vermisst, verabschieden Sie sich kurz und unterdrücken Sie den eigenen Wunsch, das Verhalten und den Tagesablauf beobachten zu müssen.

Tipp 9: Halten Sie die Abschiede kurz

Verabschieden Sie sich kurz und knapp von Ihrem Kind mit einer Selbstverständlichkeit, die dem Kleinen signalisiert, dass das, was hier passiert normal ist und es keinen Grund für Theatralik gibt. Hängen Sie ewig an seinem Hals, geben Ihnen tausend Küsse oder haben vielleicht selbst Tränen in den Augen, muss sich das Kind zwangsläufig fragen, wovor Mama Angst hat und was denn Schlimmes passieren kann.

Tipp 10: Kontinuität sorgt für schnelle Eingewöhnung

Auch wenn Sie in den ersten Wochen oder Monaten, in denen Ihr Kind die Einrichtung besucht vielleicht noch nicht wieder berufstätig sind, sollten Sie es vermeiden, Ihr Kind regelmäßig zu Hause zu lassen und Ausnahmen zu machen.

Lassen Sie sich gar nicht erst überreden, spätestens, wenn der Berufsalltag Sie wieder hat, können Sie dem Genörgel ohnehin nicht mehr nachgeben. Vereinbaren Sie lieber, das Kind ausnahmsweise, oder regelmäßig immer freitags vor dem Schlafengehen als Mittagskind zu holen. Das schafft Kontinuität und bietet trotzdem Raum für ein Highlight.

Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

„Mama, darf ich heute bei Paul übernachten?“ Irgendwann kommt im Leben jeder Mutter und jedes Vaters einmal der Augenblick, an dem die Frage nach der ersten Übernachtung bei der Familie eines Freundes oder einer Freundin gestellt wird.

Der Zeitpunkt hängt natürlich zum einen vom Kind selbst ab, aber auch von dessen Umfeld und davon, wie gefestigt die Freundschaften in Kindergarten oder Schule mittlerweile sind.

Doch was tun, wenn die erste Übernachtung in einer womöglich fast fremden Familie ansteht? Ab welchem Alter kann ich mein Kind auswärts schlafen lassen und wie soll ich reagieren, wenn nach der Euphorie das Heimweh kommt?

Ich habe mich zu diesem Thema mit Eltern und Erziehern gleichermaßen unterhalten und möchte Ihnen gern deren Empfehlungen und Erfahrungen in diesem Beitrag weitergeben.

Ab welchem Alter sollte man das Kind auswärts übernachten lassen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche Kinder sind es von klein auf gewohnt ab und an bei Oma oder Opa zu übernachten und verbringen vielleicht bereits im Krippenalter Nächte bei Cousins und Cousinen ähnlichen Alters.

Diese Kinder übernachten oft bereits im Alter ab 3 Jahren bei Freunden aus dem Kindergarten und haben wenige bis gar keine Probleme damit, sich an andere Nachtlager, Abendrituale oder Familiengepflogenheiten zu gewöhnen. Und auch deren Eltern sind entspannter, da sie zum einen diese Art von Loslassen bereits gelernt haben und sich zum anderen nicht zu viele Gedanken um die Thematik machen.

Andere Kinder besuchen vielleicht erst spät den Kindergarten, haben einen sehr kleinen Freundeskreis und sind es gewohnt, wirklich jede Nacht im eigenen Bett mit festen Ritualen und Bezugspersonen zu verbringen.

Auch diese Kinder freuen sich natürlich auf ein solches Abenteuer. Ihnen fällt jedoch ein Abend ohne Mama oft schwer, holt einen doch das Heimweh meist ein, wenn am Abend zur Bettruhe gemahnt wird und eine unheimliche Stille ins fremde Haus einkehrt. Hier sollte man die Kleinen zu nichts drängen und akzeptieren, wenn die erste Übernachtung bei Freunden erst im Grundschulalter stattfindet.

Kann ich mein Kind auf eine Übernachtung bei einem Freund vorbereiten?

Egal wie viel Vorbereitungen Sie auch treffen, es wird keine Garantie geben, dass Sie Ihr Kind nicht in der Nacht anruft und nach Hause geholt werden möchte. Um ihm jedoch das Abenteuer schmackhaft und die Trennung von Ihnen so einfach wie möglich zu machen, habe ich hier ein paar kleine Tipps für Sie:

  • Tipp 1: Freuen auch Sie sich auf einen freien Abend

Sprechen Sie Ihrem Kind Mut zu und nehmen Sie sich für den Abend ruhig etwas vor, zu dem Sie sonst nicht kommen. Ein gutes Buch in der Badewanne oder ein Diner zu zweit mit Ihrem Mann. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es auch für Sie in Ordnung, wenn das Küken für eine erste Nacht das Nest verlässt. Ihre Bejahung und Selbstverständlichkeit macht Ihrem Kind Mut.

  • Tipp 2: Bleiben Sie erreichbar

Signalisieren Sie Ihrem Kind kurz, dass Sie telefonisch erreichbar sind. Malen Sie aber nicht im Vorfeld schon den Teufel an die Wand. Bemerkungen wie: „wenn du Heimweh bekommst“, „falls du traurig bist, wenn Mama nicht da ist“ oder „solltest du abends Angst bekommen“ sind absolut fehl am Platz und bringen die Kinder unter Umständen nur auf dumme Gedanken. Sprechen Sie lieber mit den Eltern des anderen Kindes ab, dass Sie erreichbar sind, wenn es Probleme gibt.

  • Tipp 3: Ein Stückchen zu Hause einpacken

Das Lieblingskuscheltier oder die Schmusedecke dürfen auch in der Fremde nicht fehlen. Packen Sie ein, was Ihr Kind zum Schlafen gern hat und braucht, um sich ein Stückchen zu Hause und geborgen zu fühlen.

  • Tipp 4: Lernen Sie sich vorher gut kennen

Wichtig ist nicht nur, dass Sie die Eltern des Freundes kennen und ihnen vertrauen, auch Ihr Kind sollte wenigstens ein oder zweimal am Nachmittag zum Spielen in deren Haus gewesen sein. So ist zum einen nicht nur die Umgebung bereits vertraut, auch das fremde Familienleben mit all seiner Andersartigkeit als zu Hause fühlt sich nicht mehr fremd an.

  • Tipp 5: Holen Sie Ihr Kind wenn nötig ab

Sollte Ihr Kind gar nicht alleine klarkommen, sprechen Sie mit den anderen Eltern ab, dass Sie es notfalls auch spät abends oder nachts wieder abholen. Das ist wesentlich besser als eine schreckliche und verängstigte Nacht, die Ihrem Kind vielleicht ewig im Gedächtnis bleibt.

Machen Sie aber auch danach kein Drama aus der Situation. Geben Sie Ihrem Kind nicht das Gefühl, dass es versagt hat, sondern nehmen Sie es in den Arm und machen Sie ihm Mut. Vielleicht schläft dann ein Freund zuerst mit bei ihm, so baut sich vielleicht die eine oder andere Skepsis von allein wieder ab.

  • Tipp 6: Keine theatralischen Abschiede

Wenn Sie an alles gedacht haben, bringen Sie Ihr Kind zu seinem Freund und verabschieden Sie sich kurz und knapp. Überhäufen Sie ihn oder sie nicht mit tausend Küssen als würden Sie sich nicht wiedersehen. Das verunsichert nur und beeinflusst das Kind nicht zum Positiven.

Eine Übernachtung bei Freunden bereichert Ihr Kind!

Ermutigen Sie Ihr Kind, bei Freunden zu übernachten. Das hat nichts damit zu tun, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss oder es aussieht, als wollte man als Eltern einmal wieder eine Nacht für sich haben.

Für Sie und Ihre Kinder ist eine solche Erfahrung wichtig. Denn nicht nur das Abnabeln wird durch ein solches Abenteuer auf eine neue Ebene gehoben, auch das Sozialverhalten, die Anpassungsfähigkeit und Toleranz Ihres Kindes erfährt neue Eindrücke und Reize.

Eine Familie mit ganz anderen Rollenverteilungen, ein Einzelkind, das in eine Familie mit Geschwistern kommt, ein Stadtkind, das auf einem Bauernhof übernachten darf oder ein Kind, welches mit seiner Mutter allein lebt und in einen Mehrgenerationenhaushalt schnuppern darf oder umgekehrt – all das wird Ihr Kind bereichern.

Es wird lernen, dass Familien unterschiedlich sind, lernt einiges zu Hause vielleicht schätzen und anderes kritisch zu hinterfragen. Auf jeden Fall ist es ein Abenteuer, das zum Großwerden dazugehört. Freuen auch Sie sich darauf!