Der Waldkindergarten

Der Waldkindergarten

Der Waldkindergarten – Vor- und Nachteile dieses besonderen Betreuungskonzepts

Kinder, die viel an der frischen Luft sind und sich in der Natur bewegen sind nicht nur weniger oft krank, sie entwickeln auch andere Fähigkeiten, die sie zu empathischen, verantwortungsbewussten und rücksichtsvollen kleinen Menschen macht.

Diese Tatsache und auch der Mangel an geeigneten Räumlichkeiten durch stetig steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen, wurden von Pädagogen aufgegriffen und das Konzept des sogenannten Waldkindergartens entwickelt.

Für wen dieses Konzept geeignet ist, wie es funktioniert und warum dieser minimalistische Erziehungsansatz auch Schwierigkeiten mit sich bringt, das erfahren Sie hier.

Den Lebensraum Wald erobern und teilen

Tatsächlich sind die Kinder eines Waldkindergartens die ganze Zeit an der frischen Luft. Ihnen steht oftmals lediglich ein Bauwagen oder ein Unterstand für sehr schlechtes Wetter zur Verfügung. Auch Toiletten, Tische oder Stühle sucht man in einer solchen „Einrichtung“ vergebens.

Ihr Spielzimmer ist der Wald und den teilen sich die Jüngsten mit allerlei tierischen Bewohnern. So kommt es, dass die Kleinen auf ganz selbstverständliche Art lernen Rücksicht zu üben und anderes Leben, sei es auch noch so klein, zu respektieren und zu erhalten.

So sind auch die Namen und Spuren der Tiere, ihre Gewohnheiten und Beute häufig Thema während der Betreuung. Doch auch alles Wissenswerte zu Bäumen, dem Boden oder dem Wetter wird den Kindern spielerisch erklärt und ihre Neugier jeden Tag aufs Neue geweckt.

Spielen mit Fantasie und Naturalien

Wer meint, dass kleine Jungs mit ihren Autos und Baggern den Waldboden bearbeiten oder die Mädchen Behausungen für ihre Puppen bauen, der liegt falsch. Denn auch der Verzicht auf Spielzeug aller Art ist Teil dieses Konzepts.

So beschäftigen sich die Kinder lediglich mit den Sachen, die sie in der Natur finden. Ihre Spielsachen sind die Blätter und Zweige, das Moos und auch Steine, ihre Kulisse ist ein Bach, eine Lichtung, eine Wiese oder ein Fichtenwäldchen.

Es ist unglaublich, wie fantasievoll die Kleinen sich dort beschäftigen und erstaunlich wie vielseitig ein Wald sein kann, wenn man ihn mit den Augen eines Kindes unvoreingenommen betrachtet.

Waldkindergarten – das spricht dafür!

So zeigt sich in Studien, dass die Kinder aus diesem Betreuungsmodell profitieren und in einigen Bereichen des Lebens ihren Altersgenossen bei Schuleintritt durchaus einen Schritt voraus sind.

So ist erwiesen, dass Kinder, die einen Waldkindergarten besuchten wesentlich fantasievoller, naturverbundener und auch verantwortungsbewusster sind. Sie sind rücksichtsvoller und zeigen ein allgemein besseres Sozial- und Gruppenverhalten.

Auch sind sie durch ein starkes Immunsystem weniger oft krank als ihre Altersgenossen und glänzen mit einem reichhaltigen Wissen rund um Natur und Tiere. Für schüchterne Kinder macht sich auch die Tatsache bezahlt, dass in einem Waldkindergarten oft weniger Kinder in einer Gruppe betreut werden und individueller auf jeden Einzelnen eingegangen werden kann.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten – die Nachteile des Waldkindergartens

Doch gäbe es nur Vorteile, wären die Außenbezirke sicherlich bereits voll von diesen Einrichtungen und das Konzept weiter verbreitet.

So darf man auch die Defizite, die diese Kinder in den durchgeführten Studien aufwiesen, keinesfalls unter den Tisch fallen lassen, denn obwohl auch diese Kinder nach den bestehenden Möglichkeiten auf die Schule vorbereitet werden, mangelt es doch vor allem an den grob- und feinmotorischen Fähigkeiten. Auch das Verständnis von Farben und Formen ist nicht altersgerecht ausgeprägt und es fällt ihnen in der Schule wesentlich schwerer stillzuhalten und sitzen zu bleiben

Betreuungszeit und Co. – für welche Eltern eignet sich der Waldkindergarten?

Doch auch wenn Ihnen das Konzept gefällt und Sie sich wünschen würden Ihr Kind fernab der Hektik und des Lärms der Stadt betreuen zu lassen, kann es sein, dass Sie sich aufgrund der Rahmenbedingungen von diesem Wunsch verabschieden müssen.

So hat der Waldkindergarten, mangels der benötigten Räumlichkeiten, keine Möglichkeit einen Mittagsschlaf und ein Mittagessen zu gewährleisten. Somit beginnt die Betreuung, je nach Dunkelheit um etwa 07:30 Uhr an einem festen Abholpunkt und endet meist gegen 12:00 Uhr mit der Abholung des Kindes an diesem.

Auch müssen Sie sich im Klaren sein, dass Sie unter Umständen längere Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, als bei einer städtischen Kita und das Frühstück für die Kinder selbst mitschicken müssen.

Kleiner Schmutzfink oder Prinzessin – passt mein Kind in einen Waldkindergarten?

Die wenigsten Waldkindergärten bieten Krippenplätze an, sodass Sie das Angebot nur für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren nutzen können. Denken Sie auch daran, Ihr Kind auf Allergien testen zu lassen, denn im Falle einer Pollenallergie wird das Frühjahr im Wald für Ihren Sprössling zur Qual.

Auch Kinder, die sich nicht gern schmutzig machen oder sich gern etwas schicker anziehen, sollten lieber auf einen Besuch des Waldkindergartens verzichten. Hier muss die Kleidung zweckmäßig sein und schmutzige Hände sind an der Tagesordnung.

Gegessen wird im Freien auf einer Isomatte, auch diesbezüglich sollte Ihr Kind keine Berührungsängste haben und Sie damit leben können, jeden Tag immer etwas mehr Gepäck auf dem Weg in die Kita im Schlepptau zu haben als andere Mütter.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.