Die kleinen Pubertiere

Die kleinen Pubertiere

Die kleinen Pubertiere und was Sie über deren artgerechte Haltung wissen sollten

Mütter, Väter und Erzieher kennen das zur Genüge – jedes Lebensalter der Kinder bringt seine wunderbaren Momente, aber auch seine Herausforderungen mit sich und stellt das Umfeld vor immer neue Herausforderungen mit den verschiedenen Phasen des Heranwachsens umzugehen und angemessen auf sie zu reagieren.

Kaum ist die Grundschulzeit vorbei, fangen vor allem die Mädchen sehr früh an zu pubertieren und die Eltern beginnen in diesem Lebensabschnitt bekanntlich echt komisch zu werden. Da es leider keinen roten Faden und kein Geheimrezept gibt, wie mit pubertierenden oder vorpubertierenden Teenagern umzugehen ist, bleibt vielen Eltern und Großeltern lediglich der tröstliche Gedanke, dass auch die schwierigste und vor allem längste Phase der Kindheit einst vorüber gehen wird.

Ich habe dahin gehend etwas recherchiert und die 7 größten Erziehungsfehler im Umgang mit kleinen und großen Pubertieren für Sie zusammengefasst. Inspiriert hat mich dabei das gleichnamige Buch des wohl bekanntesten Erziehungsberaters Jan-Uwe Rogge.

Tipp Nummer  1 – Verabschieden Sie sich endgültig vom Perfektionismus

Sollte dieser Vorgang nicht bereits in den vorangegangenen Jahren als Eltern stattgefunden haben, ist es spätestens jetzt an der Zeit sich von einem viel zu hohen Anspruch an sich selbst als Mutter oder Vater zu verabschieden. Das Leben und die Erziehung verlaufen nun einmal nicht nach Lehrbuch und so steht es Ihnen als Eltern zu, Fehler machen zu dürfen. Sie dürfen falsch auf Situationen reagieren, Sie dürfen sich mal im Ton vergreifen und Sie dürfen auch aus einer Situation heraus einmal Sanktionen verhängen, die pädagogisch fragwürdig anmuten mögen.

Sie sind ein Mensch und machen Fehler. Ihr Kind wird aufgrund einiger Schwächen keinen dauerhaften Schaden davontragen. Seien Sie daher nachsichtig mit sich selbst und gestehen Sie sich und somit auch Ihrem Kind Unzulänglichkeiten zu. Das entlastet Ihrer beider Gemüter und sicherlich auch das Verhältnis zueinander.

Tipp Nummer 2 – Ihr Kind muss nicht mit anderen konkurrieren

Klar schaut man als Eltern auf die Entwicklung, die Eigenschaften, das Benehmen und die Leistungen der Gleichaltrigen im Umfeld. Doch hören Sie spätestens jetzt auf Ihr Kind mit anderen zu vergleichen und messen zu wollen und setzten Sie vor allem das kleine Pubertier mit Ihren Erwartungen nicht auch noch unter Druck.

Ja, der Nachbarsjunge schreibt in Mathe viel bessere Noten und die kleine Luisa von den Müllers drei Straßen weiter ist viel freundlicher und aufgeschlossener. Sebastian aus der Klasse über dem Sprössling hat nichts mit Computerspielen am Hut, sondern spielt lieber Schach und trägt Zeitungen aus. Nehmen Sie das zur Kenntnis, leiten Sie aber daraus keine Erwartungen an Ihr Kind ab.

Ihr Kind hat Stärken und Schwächen und es ist in diesem Alter nicht mehr so formbar wie mit einem oder zwei Jahren. Begleiten Sie es in seinem Tun, geben Sie Hilfestellung und bieten Sie Alternativen, stärken Sie seine Stärken und helfen Sie aktiv seine Schwächen zu schwächen. Ein ständiger Vergleich mit anderen ist für die Beziehung aber kontraproduktiv und frustriert alle Beteiligten.

Tipp Nummer 3 – Die optimale Länge der Leine

Ihre Kinder brauchen in der Pubertät mehr denn je Grenzen, Halt und Orientierung. Doch sie brauchen auch Freiheit und Selbstständigkeit. Ein Widerspruch? Nein! Geben Sie Ihrem Kind Grenzen, die logisch, vernünftig und begründbar sind, altersgerecht und auch vertretbar. Überlegen Sie gut, ob diese Grenze sein muss oder nicht, seien Sie aber bei einer Überschreitung dieser dann auch unbedingt konsequent und lassen Sie den Teenager spüren, dass falsches Handeln oder eine Verletzung der Regeln im Leben immer ein Nachspiel hat.

Lassen Sie aber Ihr Kind in einer solchen Situation nicht alleine, zeigen Sie ihm, dass es trotzdem geliebt wird. Streit, Meinungsverschiedenheiten und Frust sind bei diesem Thema vorprogrammiert und gehören zur Selbstfindung der Kinder dazu. Bleiben Sie hart und fair aber machen Sie den Heranwachsenden nicht durch Machtspielchen klein.

Tipp Nummer 4 – Konsequenzen müssen Sinn machen

Ein PC-Verbot, weil man zu spät nach Hause gekommen ist? Das Handy für zwei Tage weg, weil man die Hausarbeit nicht erledigt hat? Das sind eher unglückliche Konsequenzen, die entweder von Hilflosigkeit oder Machtkampf zeugen, nach dem Motto: „Man muss dort zuschlagen, wo es am meisten weh tut“

Doch darum geht es bei der Erziehung nicht. Kinder müssen lernen, dass jedes Fehlverhalten in der Gesellschaft, in der Schule oder zu Hause etwas nach sich zieht. Das ist keine Strafe, sondern eine direkte Folge des Fehlverhaltens. Um das den Kindern zu verdeutlichen, sollten die Konsequenzen im Falle eines Grenzübertritts auch logisch und nachvollziehbar sein.

Der Teenager kam eine Stunde zu spät nach Hause? Dann wird die Ausgangszeit für den Rest der Woche um diese eine Stunde gekürzt. Der Abwasch wurde nicht erledigt? Dann ist das jetzt nachzuholen, auch wenn gerade der Kumpel vor der Tür steht und ihn oder sie zum Training abholen will.

Tipp Nummer 5 – Wünsche äußern, Vorwürfe vermeiden

Nicht nur bei Kindern, auch bei Eltern macht der Ton die Musik. Wenn Sie sich etwas von Ihrem Kind wünschen, dann bombardieren Sie es nicht mit ständigen Vorwürfen und pauschalisiertem Singsang. Sagen Sie klar was Sie erwarten und warum, aber hacken Sie nicht andauernd auf dem Kind herum. Das demotiviert und trägt wirklich nicht zu einem guten und vertrauensvollen Verhältnis bei.

Tipp Nummer 6 – Lassen Sie Ihr Kind auch mal Fehler machen

Hören Sie auf Ihr Kind vor jedem Fehler, vor jedem Schmerz und vor jeder Fehlentscheidung bewahren zu wollen. Man lernt nun einmal am besten aus Fehlern, die man selbst gemacht hat. Gestehen Sie das auch Ihrem Kind zu. Geben Sie Ratschläge und stehen Sie ihm zur Seite, wenn mal etwas schief läuft, aber lassen Sie es seine eigenen, wenn auch manchmal fragwürdigen, Entscheidungen zunehmend selbstständiger treffen, aber auch die Konsequenzen selbst tragen.

Tipp Nummer 7 – Verschieben Sie langsam Ihre Prioritäten

Auch wenn sich in den letzten 10 bis 12 Jahren alles um Ihr Kind gedreht hat, es Ihr Lebensinhalt und Ihr Augenstern ist, sollten Sie jetzt langsam anfangen sich wieder verstärkt um sich selbst, Ihre Partnerschaft oder ein Hobby zu kümmern.

Kinder sind sensibel und merken auch, wenn es Mama schwerfällt loszulassen. Signalisieren Sie ihm, dass es o.k. ist, wenn es zunehmend eigene Wege geht, und genießen Sie ohne schlechtes Gewissen die immer mehr werdende Zeit für sich selbst.

Sie sehen, ich konnte Ihnen keinen Leitfaden in die Hand geben mit Dingen, die Ihr Kind in dieser Zeit unbedingt braucht, aber ich konnte Ihnen vielleicht ein paar kleine Anregungen geben und Sie zu etwas mehr Gelassenheit ermutigen.

Das Wichtigste: Hören Sie Ihrem Kind genau zu und ergründen Sie, welches Bedürfnis hinter seinen Zickereien und Ausbrüchen gerade stecken könnte. Oft löst gerade in der Pubertät der Flügelschlag eines Schmetterlings tatsächlich einen Orkan zu Hause aus.

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