Entspannt durch die Trotzphase

Entspannt durch die Trotzphase

Kleine Kinder, großes Theater – Entspannt durch die Trotzphase

Wenn man als Eltern eines Babys in Kaufhäusern, in Fußgängerzonen oder im Schwimmbad anderen Eltern mit ihren vor Wut schreienden Kleinkindern begegnet, löst das meiner Erfahrung nach zweierlei Gedanken und Gefühle aus: als Erstes die Frage, was da wohl in der Erziehung schief gelaufen sein könnte und als Zweites die Hoffnung, dass dieser Kelch einmal an einem vorübergehen möge.

Als Vater größerer oder erwachsener Kinder weiß ich heute zwei Dinge: Der Kelch geht an keinem Elternpaar vorüber und … Eltern in solchen Situationen verdienen keine Vorwürfe, sondern mein Mitgefühl!

Das sage ich nun nicht, weil ich es nicht geschafft habe meine Kinder richtig zu erziehen und auch sie eine solche Trotzphase durchgemacht haben, sondern weil man, wenn man sich damit auseinandersetzt, feststellt, dass diese Zeit, so anstrengend sie für uns Eltern auch sein mag, ganz normal und vor allem auch wichtig ist. Warum das so ist, erkläre ich Ihnen hier und Überlebenstipps für Eltern gibt es gratis dazu.

Wann durchleben Kinder die Trotzphase und warum ist diese so wichtig?

Gerade noch freut man sich über die ersten Schritte oder Worte des süßen Erdenbürgers und schon wird man mit dem ersten wirklich anstrengenden und manchmal peinlichen Entwicklungsschritt im Leben seines Kindes schonungslos und unvorbereitet konfrontiert –  der Trotzphase.

Im Alter zwischen 2 und 5 Jahren sorgt dieser Meilenstein in der Persönlichkeitsentwicklung bei vielen Eltern nicht nur für strapazierte Nerven, sondern gibt ihnen manchmal sogar das Gefühl der Hilflosigkeit, des Versagens oder der Scham, dass sie in ihrer Erziehung versagt haben könnten.

Keine Angst, solche Anfälle sind nicht nur völlig normal und kommen in jeder guten Familie vor, sie sind auch wichtig für die Entwicklung des Kindes. Gerade hat der Sprössling gelernt, dass man für manche Dinge, wie zum Beispiel das Laufen lernen, oft viel Geduld und Ausdauer braucht und sich Beharrlichkeit am Ende auszahlt. Da ist doch die Gelegenheit günstig zu schauen, in welchen anderen Lebenslagen dieses Verhalten noch funktioniert.

So lernt das Kind in dieser Zeit nicht nur seine Grenzen neu kennen und festigt seinen eigenen Willen, es probt sich auch in Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit und lernt mit Stress und Frust umzugehen und seine Gefühle dahin gehend unter Kontrolle zu bringen und zu regulieren.

Trotzanfall – Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Anlässe, die zu einem solchen Trotzanfall führen, sind für uns Erwachsene oft schwer nachzuvollziehen, doch für Kinder ist mit der einen oder anderen Nichtigkeit einfach der Tropfen gefallen, der das Fass sprichwörtlich zum Überlaufen gebracht hat.

Ein Gewitter, das unbemerkt herangezogen ist und sich über einen mächtigen Blitz aus Frust, Angst, Wut, Sorgen aber auch Unsicherheit entlädt. Zerstörerisch, kurz, aber heftig.

Während die einen schreien, treten oder schlagen, verschließen sich andere Kinder ganz, werfen sich auf den Boden oder setzen sich steif wie ein Brett in eine Ecke und schmollen. Für die Eltern gibt es nur zwei Sachen, auf die sie sich in dieser Zeit sicher verlassen können: es wird ohne Vorankündigung aus heiterem Himmel passieren und es wird irgendwann wieder vorbeigehen.

Wie kann ich auf einen Trotzanfall am besten reagieren?

Jedes Kind ist anders und benötigt in solchen Ausnahmesituationen andere Trigger um sich zu beruhigen. Dennoch können diese 6 Tipps helfen, den größten Schaden abzuwenden:

  • Tipp 1 – Vor allem anderen sollten Sie Ihr Kind vor Verletzungen schützen. In seiner Rage kann es durchaus sein, dass es die Kontrolle verliert.
  • Tipp 2 – Manchen Kindern tut es gut in solchen Momenten festgehalten zu werden und die Nähe der Mutter oder des Vaters zu spüren, die Sicherheit, dass es „trotzdem“ geliebt wird. Wenn Ihr Kind das nicht möchte, lassen Sie es in Ruhe, es beruhigt sich auch von alleine wieder.
  • Tipp 3 – Bleiben Sie vor allem gelassen. Ist Ihr Kind überfordert mit sich und der Welt und merkt, dass Sie als seine Bezugsperson auch nicht wissen was Sie tun sollen, kann die Unsicherheit noch größer werden. Strahlen Sie möglichst Souveränität und Gelassenheit aus.
  • Tipp 4 – Reden Sie in diesen Momenten nicht auf Ihren Sprössling ein, das bringt nichts. Weder schimpfen noch beruhigende Worte werden in einer solchen Situation auf fruchtbaren Boden fallen. Warten Sie, bis der größte Sturm vorübergezogen ist.
  • Tipp 5 – Widmen Sie solchen Vorfällen nicht zu viel Aufmerksamkeit und thematisieren diese nicht allzu sehr. Ihr Kind ist überfordert und macht das nicht um Sie zu ärgern, das könnte sich aber ändern, wenn man mit Aufmerksamkeit welcher Art auch immer „belohnt“ wird.
  • Tipp 6 – Machen Sie nicht den Fehler an sich selbst und Ihrer Erziehung zu zweifeln. Bleiben Sie konsequent und gelassen und nehmen Sie die zeitweilige Ablehnung Ihres Kindes Ihnen gegenüber nicht persönlich.

Kann ich Trotzanfälle meines Kindes vermeiden?

Da die Trotzphase ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung ist, sollte man Kinder nicht vor Frust, Enttäuschungen oder Verboten schützen. Allerdings kann man dafür sorgen, dass Kinder ausgeglichener sind und den einen oder anderen Rückschlag besser verarbeiten.

  • Tipp 1 – Sorgen Sie im Leben Ihres Kindes für feste Abläufe am Tag. Das kann ein Ritual am Abend sein, aber auch ein stetiger Ablauf nach dem Aufstehen. Das sorgt für Beständigkeit, Vertrauen und Sicherheit.
  • Tipp 2 – Auch im Leben eines Kleinkindes muss es Regeln geben. Stellen Sie diese auf und bestehen Sie auf deren Einhaltung. Hier gilt: Lieber wenige Regeln, dafür sinnvoll und vor allem auch konsequent.
  • Tipp 3 – Hält sich Ihr Kind nicht an eine kommunizierte Regel, muss es Konsequenzen geben. Ausnahmen oder „laisser faire“ verunsichern das Kind und lassen es an Ihrer Verlässlichkeit zweifeln. Wer soll ihm Halt und Beständigkeit in dieser Welt geben wenn nicht Sie?
  • Tipp 4 – Sorgen Sie bei Ihrem Kind für ausreichend Schlaf und Ruhephasen. Sind die kleinen Racker müde oder überdreht, hungrig oder gestresst, ist der Toleranzpegel sehr niedrig angesiedelt und es droht schneller Explosionsgefahr.

Kleine Kinder kleine Sorgen …

Wir können unsere Kinder nicht vor allem bewahren und so bleibt auch uns als Eltern manches eben nicht erspart.

Lassen Sie mich Ihnen aber auch noch zwei wirklich positive wissenschaftliche Erkenntnisse mit auf den Weg durch die Trotzphase geben:

  1. Unsere Kinder testen nur bei den Personen ihre Grenzen bis zum Äußersten aus, bei denen sie sich sicher sind, dass die Liebe und das Vertrauen so tief gehen, dass sie dadurch nicht „verstoßen“ werden. Wenn Ihr Kind Sie also das nächste Mal anbrüllt, seien Sie gewiss: Es liebt Sie und es weiß, dass auch Sie es bedingungslos lieben!
  2. Es heißt, dass die Pubertät entspannter wird, je anstrengender die Trotzphase war. Bleibt also zu hoffen, dass sich die als extrem anstrengend und nervenaufreibend empfundene Trotzphase sich in der Pubertät nicht als Spaziergang herausstellt.
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