Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

Wenn Kinder das erste Mal bei Freunden übernachten

„Mama, darf ich heute bei Paul übernachten?“ Irgendwann kommt im Leben jeder Mutter und jedes Vaters einmal der Augenblick, an dem die Frage nach der ersten Übernachtung bei der Familie eines Freundes oder einer Freundin gestellt wird.

Der Zeitpunkt hängt natürlich zum einen vom Kind selbst ab, aber auch von dessen Umfeld und davon, wie gefestigt die Freundschaften in Kindergarten oder Schule mittlerweile sind.

Doch was tun, wenn die erste Übernachtung in einer womöglich fast fremden Familie ansteht? Ab welchem Alter kann ich mein Kind auswärts schlafen lassen und wie soll ich reagieren, wenn nach der Euphorie das Heimweh kommt?

Ich habe mich zu diesem Thema mit Eltern und Erziehern gleichermaßen unterhalten und möchte Ihnen gern deren Empfehlungen und Erfahrungen in diesem Beitrag weitergeben.

Ab welchem Alter sollte man das Kind auswärts übernachten lassen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche Kinder sind es von klein auf gewohnt ab und an bei Oma oder Opa zu übernachten und verbringen vielleicht bereits im Krippenalter Nächte bei Cousins und Cousinen ähnlichen Alters.

Diese Kinder übernachten oft bereits im Alter ab 3 Jahren bei Freunden aus dem Kindergarten und haben wenige bis gar keine Probleme damit, sich an andere Nachtlager, Abendrituale oder Familiengepflogenheiten zu gewöhnen. Und auch deren Eltern sind entspannter, da sie zum einen diese Art von Loslassen bereits gelernt haben und sich zum anderen nicht zu viele Gedanken um die Thematik machen.

Andere Kinder besuchen vielleicht erst spät den Kindergarten, haben einen sehr kleinen Freundeskreis und sind es gewohnt, wirklich jede Nacht im eigenen Bett mit festen Ritualen und Bezugspersonen zu verbringen.

Auch diese Kinder freuen sich natürlich auf ein solches Abenteuer. Ihnen fällt jedoch ein Abend ohne Mama oft schwer, holt einen doch das Heimweh meist ein, wenn am Abend zur Bettruhe gemahnt wird und eine unheimliche Stille ins fremde Haus einkehrt. Hier sollte man die Kleinen zu nichts drängen und akzeptieren, wenn die erste Übernachtung bei Freunden erst im Grundschulalter stattfindet.

Kann ich mein Kind auf eine Übernachtung bei einem Freund vorbereiten?

Egal wie viel Vorbereitungen Sie auch treffen, es wird keine Garantie geben, dass Sie Ihr Kind nicht in der Nacht anruft und nach Hause geholt werden möchte. Um ihm jedoch das Abenteuer schmackhaft und die Trennung von Ihnen so einfach wie möglich zu machen, habe ich hier ein paar kleine Tipps für Sie:

  • Tipp 1: Freuen auch Sie sich auf einen freien Abend

Sprechen Sie Ihrem Kind Mut zu und nehmen Sie sich für den Abend ruhig etwas vor, zu dem Sie sonst nicht kommen. Ein gutes Buch in der Badewanne oder ein Diner zu zweit mit Ihrem Mann. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es auch für Sie in Ordnung, wenn das Küken für eine erste Nacht das Nest verlässt. Ihre Bejahung und Selbstverständlichkeit macht Ihrem Kind Mut.

  • Tipp 2: Bleiben Sie erreichbar

Signalisieren Sie Ihrem Kind kurz, dass Sie telefonisch erreichbar sind. Malen Sie aber nicht im Vorfeld schon den Teufel an die Wand. Bemerkungen wie: „wenn du Heimweh bekommst“, „falls du traurig bist, wenn Mama nicht da ist“ oder „solltest du abends Angst bekommen“ sind absolut fehl am Platz und bringen die Kinder unter Umständen nur auf dumme Gedanken. Sprechen Sie lieber mit den Eltern des anderen Kindes ab, dass Sie erreichbar sind, wenn es Probleme gibt.

  • Tipp 3: Ein Stückchen zu Hause einpacken

Das Lieblingskuscheltier oder die Schmusedecke dürfen auch in der Fremde nicht fehlen. Packen Sie ein, was Ihr Kind zum Schlafen gern hat und braucht, um sich ein Stückchen zu Hause und geborgen zu fühlen.

  • Tipp 4: Lernen Sie sich vorher gut kennen

Wichtig ist nicht nur, dass Sie die Eltern des Freundes kennen und ihnen vertrauen, auch Ihr Kind sollte wenigstens ein oder zweimal am Nachmittag zum Spielen in deren Haus gewesen sein. So ist zum einen nicht nur die Umgebung bereits vertraut, auch das fremde Familienleben mit all seiner Andersartigkeit als zu Hause fühlt sich nicht mehr fremd an.

  • Tipp 5: Holen Sie Ihr Kind wenn nötig ab

Sollte Ihr Kind gar nicht alleine klarkommen, sprechen Sie mit den anderen Eltern ab, dass Sie es notfalls auch spät abends oder nachts wieder abholen. Das ist wesentlich besser als eine schreckliche und verängstigte Nacht, die Ihrem Kind vielleicht ewig im Gedächtnis bleibt.

Machen Sie aber auch danach kein Drama aus der Situation. Geben Sie Ihrem Kind nicht das Gefühl, dass es versagt hat, sondern nehmen Sie es in den Arm und machen Sie ihm Mut. Vielleicht schläft dann ein Freund zuerst mit bei ihm, so baut sich vielleicht die eine oder andere Skepsis von allein wieder ab.

  • Tipp 6: Keine theatralischen Abschiede

Wenn Sie an alles gedacht haben, bringen Sie Ihr Kind zu seinem Freund und verabschieden Sie sich kurz und knapp. Überhäufen Sie ihn oder sie nicht mit tausend Küssen als würden Sie sich nicht wiedersehen. Das verunsichert nur und beeinflusst das Kind nicht zum Positiven.

Eine Übernachtung bei Freunden bereichert Ihr Kind!

Ermutigen Sie Ihr Kind, bei Freunden zu übernachten. Das hat nichts damit zu tun, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss oder es aussieht, als wollte man als Eltern einmal wieder eine Nacht für sich haben.

Für Sie und Ihre Kinder ist eine solche Erfahrung wichtig. Denn nicht nur das Abnabeln wird durch ein solches Abenteuer auf eine neue Ebene gehoben, auch das Sozialverhalten, die Anpassungsfähigkeit und Toleranz Ihres Kindes erfährt neue Eindrücke und Reize.

Eine Familie mit ganz anderen Rollenverteilungen, ein Einzelkind, das in eine Familie mit Geschwistern kommt, ein Stadtkind, das auf einem Bauernhof übernachten darf oder ein Kind, welches mit seiner Mutter allein lebt und in einen Mehrgenerationenhaushalt schnuppern darf oder umgekehrt – all das wird Ihr Kind bereichern.

Es wird lernen, dass Familien unterschiedlich sind, lernt einiges zu Hause vielleicht schätzen und anderes kritisch zu hinterfragen. Auf jeden Fall ist es ein Abenteuer, das zum Großwerden dazugehört. Freuen auch Sie sich darauf!

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